Argumente und Entgegnungen

Warum der Pfauensaal stehen bleiben muss – Argumente zu seiner Erhaltung

Die Ausstrahlung des Hauses unterstützt die Kraft der Inszenierungen und schafft Theatererlebnisse von unvergesslichem Zauber.

Der Theatersaal verfügt über eine seltene Unmittelbarkeit und physische Präsenz; unter anderem auch durch seine intime Atmosphäre und dem von der Theaterwissenschaft ermittelten maximalen Abstand von 25 Metern zwischen Schauspielerinnen und Schauspieler und Publikum.

Beim Berliner Theatertreffen werden jährlich die besten Theateraufführungen im deutschsprachigen Raum ausgezeichnet: Das Schauspielhaus Zürich wurde in den letzten fünfzehn Jahren rund zwölfmal zur Prämierung eingeladen (darunter sieben Pfauen-Inszenierungen).

2020 wurde die Inszenierung «Der Mensch erscheint im Holozän» zur besten Aufführung des Jahres erklärt und erhielt den Nestroy-Preis in Österreich.

Überdies wurde das Schauspielhaus Zürich mehrmals zum Theater des Jahres gekürt. Soviel zum Argument, im Pfauen könne man kein heutiges, qualitativ hochstehendes Theater machen!

In diesem Saal waren immer wieder unglaubliche kreative Kräfte zu erleben. Dank inhaltlicher Brisanz und Überzeugungskraft von Schauspiel, Regie, Intendanz bis hin zur Aufnahmebereitschaft des Publikums.

Der Pfauensaal muss bleiben.


Der Pfauen ist eine Theaterikone und Zeitzeuge einer europaweit einzigartigen Geschichte.

Das Schauspielhaus am Pfauen ist ein Theater von herausragender historischer Bedeutung und hat künstlerische Sternstunden erlebt, die diese Bühne einzigartig machen. 

«Es waren die Emigranten aus Nazi-Deutschland» schreibt Theaterkritikerin Klara Obermüller «die in den dreissiger Jahren den Ruhm des Hauses begründet hatten». Therese Giehse und Ernst Ginsberg, Maria Becker und Leonard Steckel, Erwin Parker, Albert Bassermann, Kurt Horwitz, Leopold Lindtberg, Kurt Hirschfeld – die Liste der Namen ist endlos.

Sie hatten in der Nazi-Zeit das Haus zu einem künstlerischen Zentrum und einem Hort der Freiheit gemacht und führten Stücke auf, die sonst im deutschsprachigen Raum nicht mehr gespielt werden durften.

Stücke von Brecht sind hier uraufgeführt worden, später die weltberühmten Stücke von Frisch und Dürrenmatt, aber auch Dramen von Ibsen und Strindberg, Shakespeare, Goethe und Schiller. Nach dem Krieg gelangten Stücke von Tennessee Williams, Osborne, Sartre, Camus und vielen anderen klassischen wie zeitgenössischen Autoren in überzeugenden Inszenierungen auf die Bühne. Das Schauspielhaus war Uraufführungsort und Schauplatz von Welttheater.

Das Emigrantentheater hat die besten Schauspieler, Bühnenbildner und Regisseure versammelt und hervorgebracht. 

Das war der politischen Situation geschuldet, aber auch diesem Raum zu verdanken – ein unvergleichlicher Theatersaal bis heute. Für die Beteiligten eine äusserst schwierige, fordernde Zeit, die heute sicherlich auch einseitig als Mythos verklärt wird.

In der Nachkriegszeit zeigten die bedeutendsten europäischen Regisseure ihre Inszenierungen als Gastspiele auf der Pfauenbühne – Inszenierungen, die auf der schmalen Bühne faszinierten. 

Das Bühnenbild von Giorgio Strehlers «Re Lear» kam mit fast nichts ausser einer magischen Beleuchtungsregie aus, weil Sprache und Schauspiel im Zentrum standen.

Wenn das Haus eine Zukunft haben soll, so kann der Verweis auf die Vergangenheit helfen, Massstäbe für die Gegenwart und Zukunft zu setzen.  

Es käme einer fatal verpassten Chance gleich, die Vergangenheit nicht an diesem Ort des Geschehens zu erinnern und die Geschichte in eine lebendige Zukunft weiterzuführen. «Zukunft braucht Herkunft» so der Philosoph Odo Marquard. 

Diese Bühne, auf der einst zentrale demokratische Werte verteidigt wurden, soll auch heute ein gesellschaftlich relevanter, freier Denkort sein, wo Widerstand erzeugt und politische Themen benannt werden.

Es braucht keine optimierte Theatermaschinerie und keinen Neubau, weil wir in der komfortablen Lage sind, dass der Saal bis heute gut funktioniert und noch immer die einzigartige Geschichte atmet. Ein Saal, der mit wenigen Eingriffen für das Publikum wie auch für die Technik sanft saniert werden kann.

Der Pfauensaal muss bleiben.

Der Pfauensaal ist ein rares und exemplarisches Beispiel der Theaterbautechnik.

Zur Bedeutung der Pfauenbühne als kultur-, theater- und konstruktionsgeschichtliches Denkmal hat die Denkmalpflege der Stadt Zürich ein eindeutiges Gutachten erstellt. 

Nach diesem Gutachten ist der Theatersaal von 1926 einer der modernsten Theatersäle seiner Zeit im schweizerischen und deutschsprachigen Raum.

Einzigartig sind die geschwungenen, fliessenden Linien als stark bestimmendes Element. Die «Stromlinien» an der von Pfleghard eingezogene Decke zeichnen die Balkonbrüstung, die Pfeiler des Urbaus und die Abtreppung der Sitzreihen auf der Galerie nach.

    Über 80 Hochschullehrer der Denkmalpflege, Baugeschichte, Architektur- und Kunstgeschichte aus ganz Europa haben ihre Stellungnahme abgegeben.

    Sie sehen in diesem Bau «ein unglaublich reichhaltiges Dokument der Theaterbautechnik, dessen Substanz unter allen Umständen erhaltens- und schützenswert ist».

    Sie fordern den Zürcher Stadtrat auf, seine Abrisspläne zugunsten eines dem Denkmal angemessenen Sanierungskonzeptes zu revidieren.

    «Der Pfauen in Zürich bietet exemplarisch wie selten die Möglichkeit, die Geschichte des Theaterbaus am Bauwerk selbst wie in den Schichten einer archäologischen Stätte abzulesen.»

    So sind sogar die Decken des Ursprungsbaus von 1889, wie auch des damals hochmodernen Nachfolgebaus von 1899 über der heutigen Rabitz-Decke von 1926 oberhalb des Zuschauerraums noch erhalten.

    «Ist die Grossinvestition in den vollständigen Umbau des Gebäudes tatsächlich angebracht, wenn man die aktuelle Situation der Kulturschaffenden bedenkt? Wäre es nicht sinnvoller, nun eher in ‚die Menschen und ihre Kunst‘ zu investieren, als ihnen auch noch für längere Zeit ihr Haus zu nehmen?» 

    Der Pfauensaal muss bleiben.

    Ein Abbruch des Pfauensaals vernichtet finanzielle und materielle Ressourcen und ist ökologisch nicht vertretbar.

    Wer heute den Pfauensaal abreissen und ihn durch einen Neubau ersetzen möchte, sollte berücksichtigen, wieviel Geld und Energie in den letzten Jahren bereits in massive Verbesserungen investiert wurde.

    Diese Investitionen wären verloren,finanziell und energetisch und dies ausgerechnet zu einem Zeitpunkt, da aktuell das Prinzip der ressourcensparenden Nachhaltigkeit auch in Wirtschaft und Politik immer mehr Gewicht erhält.

    Verantwortungsbewusste Architekten minimieren heute den Einsatz von grauer Energie. Sie suchen nach nachhaltigen Lösungen für ihre Baupläne. Seit der Verankerung der 2000-Watt-Gesellschaft in der Gemeindeordnung im Jahr 2008 hält sich der Stadtrat von Zürich meist an diese Zielvorgabe – warum nicht hier!

    Ein Totalabriss wäre ökonomisch und ökologisch verantwortungslos. Vom denkmalgeschützten Raum bliebe nichts mehr übrig. Die Abbruchkosten (wie übrigens auch weitere verdeckte Kosten) sind im Budget des Stadtrates nicht erkennbar: Sie wären immens.

    Die Aushöhlung des historischen Baus mit Erhalt der Fassade ist Augenwischerei und Disneyfizierung zugleich. Die Bestandessanierung, die Mildeste der vom Stadtrat vorgeschlagenen Varianten, und die Sanierung mit kleinen Eingriffen sind die sowohl denkmalpflegerisch als auch ökologisch alleinig vertretbaren Varianten.

    Auch unter dem Gesichtspunkt der Erhaltung des kulturellen und sozialen Kapitals nach Pierre Bourdieu, des Reichtums der Tradition und der Identitätsstiftung, käme ein Abriss einem historischen Verlust gleich, der durch nichts zu ersetzen wäre. Ein solcher Fehlentscheid würde – nicht zum ersten Mal – in Zürich wenig später bitter bereut.

    Auch dem Kongresshaus wäre vor Kurzem um ein Haar ein solcher Fehlentscheid widerfahren. Dessen Sanierung wird heute hoch gelobt – allenfalls auch ein Paradebeispiel für eine Haltungsumkehr der politischen Entscheidungsträger?

    Der Pfauensaal muss bleiben.

    Statt in eine teure Hülle, sollen die Gelder vermehrt in den Inhalt fliessen – für die Kultur innerhalb und ausserhalb des Schauspielhauses.

    Wenn man den Pfauensaal abreisst, würde mit der Geschichte und Architektur auch unglaublich viel Geld vernichtet. Der letzte grosse Umbau erfolgte 1977. 1999/2000 wurden 20 Mio. Franken in den Neubau des ganzen Bühnenhauses gesteckt. Seither wurde mit zusätzlichen 20 Mio. Franken die Technik auf den neuesten Stand gebracht.

    Seit dem Jahr 2000 gibt es einen neuen Bühnenturm; Mikropfähle, Lagerräume, eine neue Lüftung, Lifts und Schallschutztüren wurden eingebaut. Damit wurden Anlieferungen durch LKWs von der Hottingerstrasse her zeitgleich zu den Proben auf der Bühne möglich. 

    Die Technik wurde seither laufend erneuert und à jour gehalten. Allein 2019/2020 wurden 2,2 Mio. Franken in Infrastruktur, Technik und Informatik investiert.

    Wenn Geld frei würde, damit das Schauspielhaus die Schiffbauhalle ganzjährig bespielen könnte, wäre das künstlerisch eine unschätzbare Bereicherung für die Stadt Zürich. Denn die dort produzierten Inszenierungen müssten nicht vorzeitig aus dem Spielplan genommen werden, weil die Spielstätte zeitlich nur beschränkt zur Verfügung steht.

    Im Pfauen könnten die Bühnenapparatur und die eng getakteten technischen Umbauten wesentlich entlastet werden, wenn die drei Probenbühnen im Schiffbau endlich genutzt würden.

    Wie sich das Theater in den nächsten Jahrzehnten weiterentwickelt, steht in den Sternen, egal ob man den Saal neu baut oder nicht. Ob die Tendenz zu immer mehr Technik oder opulenten Bühnenbildern anhält oder ob angesichts der Pandemie eher eine Rückbesinnung einkehren wird, wird sich weisen.

    Das Bedürfnis nach Nachhaltigkeit, eine neue moderne Bescheidenheit und vor allem die Besinnung auf die Essenz des Theaters – Schauspielkunst und spannende Stoffe – könnten richtungsweisend sein.

    Hier setzt noch eine ganz andere Diskussion ein: Was plant die Stadt mit diesem Theater? Was plant sie kulturpolitisch mit dem Schauspielhaus Zürich? Der Bildungsauftrag gegenüber den Schulen für die Jugend, das Publikum von morgen, wie auch die Zweckbestimmung als Sprechbühne sollten zentrale Ziele bleiben. 

    Über eine Umverteilung der geplanten Gelder soll nachgedacht werden: Der Kulturstadt Zürich würde es gut anstehen, einen Teil des Planungskredits der gebeutelten freien Kulturszene für innovative Projekte und schlicht fürs schiere Überleben zur Verfügung zu stellen! Eine sinnvolle Aufgabe für die städtische Kulturförderung und -koordination.

    Der Pfauensaal muss bleiben.


    Warum der Pfauensaal abgerissen werden soll – Argumente der Befürworter und unsere Entgegnungen

    Es existiert weltweit keine einzige Bühne, auch keine Raumbühne, zu der alle Besucher die gleiche, hundertprozentige Sichtwahrnehmung haben. 

    Auch das Opernhaus in Zürich ist für Einschränkungen der Sicht ein anschauliches Beispiel. Niemand käme hier auf die Idee, das Opernhaus deswegen durch einen Neubau ersetzen zu wollen – dies, weil die Atmosphäre alle Einschränkungen unbestritten mehr als wettmacht.

    Besucherinnen und Besucher, die auf Aussenplätzen sitzen, müssen je nach Inszenierung tatsächlich damit rechnen, einen Ausschnitt der Bühne nur eingeschränkt zu sehen.

    In Inszenierungen, bei denen es den Künstlerisch Verantwortlichen nicht möglich scheint, zentrale Szenen für alle Plätze erkennbar zu spielen, werden bereits heute Randplätze gesperrt.

    Das Schauspielhaus trägt diesen minimalen Einschränkungen Rechnung indem es die Ticketpreise für diese Plätze wesentlich günstiger verkauft als die besten Plätze in der Mitte des Parketts – was ein weniger kaufkräftiges und dennoch theaterbegeistertes Publikum gerne in Kauf nimmt.

    Lösungen sind möglich, der Pfauensaal bleibt.

    Was die Sichtbarkeit und die Hörbarkeit betrifft: Beide Probleme kann man lösen. 

    Die Akustik war 1926 die Beste in der deutschen Theaterlandschaft. Seither haben sich die Zeiten verändert: Heute ist die Aufführungspraxis weniger geprägt durch ausgefeilte Sprechtechnik sondern durch «natürliches» Spiel, meist verstärkt durch Mikrofone. Was zumindest den Vorteil hat, dass mit dem Kopfhörer-Service des Schauspielhauses auch schlechter Hörende jedes Wort verstehen.

    Der Schauspieler Robert Hunger Bühler zum Pfauentheater:«Ich sass noch unlängst als Nathan der Weise auf der Bühne und konnte dank der Akustik mit behutsam leisesten Passagen jedes Ohr der Zuschauer kitzeln. Dasselbe erreicht jede Schauspielerin im Pfauen mit einer ausgebildeten Stimme und Freude am Sprechen und dem Zutrauen der Regisseure zum «Wortgefühl» einer Bühnenkünstlerin.

    Das Schauspielhaus am Pfauen ist eine SPRECH-Bühne und will als solche wahrgenommen werden. Sie besitzt eine hervorragende Akustik, und bietet eine ideale Ergänzung zum multivariablen Schiffbau. Ich kenne keine Theaterstadt mit vergleichbaren räumlichen Voraussetzungen.

    Dazu kommt, dass die Zustimmung einer Aushöhlung des Pfauen einer Auslöschung der Tradition der Erinnerung an die denkwürdigen Künstler/innen, die mühelos und unverstärkt Parkett und Balkon bezauberten, gleichkäme.»

    Stephan Müller Schauspieler, Regisseur, Intendant am Theater am Neumarkt, Zürich, gemeinsam mit Volker Hesse 1993 – 1999, bis 2020 Leiter Studiengang für Regie an der Zürcher Hochschule der Künste, sagt: 

    «Geld spielt bei einem Umbau eine grosse Rolle. Und am Gebäude gibt es einiges Problematisches, was die Sichtbarkeit und die Hörbarkeit betrifft. Beide Probleme kann man lösen. Ein Beispiel: Wenn an der Scala Milano barocke Musik aufgeführt wird, kommt jeweils ein spezielles Mikrofonsystem zum Zug, das den Gesamtsound bis in die obersten und hintersten Logen transportiert.»


    Lösungen sind möglich, der Pfauensaal bleibt.

    Ein Theater ist keine Lounge und es erwartet niemand, dass man so sitzen kann wie Zuhause vor dem Fernseher.

    Entscheidend ist die Konzentration gegenüber einer Inszenierung, die uns in Atem hält.

    Die Bestuhlung wurde seit 1926 bereits zweimal wesentlich verbessert und lässt weitere Verbesserungen zu. Aus den ursprünglich 990 Plätzen sind heute auf derselben Grundfläche 760 geworden. Weitere Plätze lassen sich entfernen. 

    Übrigens entstünden keinerlei finanziellen Einbussen, wollte man die Bequemlichkeit erhöhen, durch ein Ersetzen der Sitze mit bequemeren Modellen oder einem Entfernen einiger Plätze für mehr Beinfreiheit.  Denn die Auslastung in den letzten Jahren lag bei knapp 65%. Der Pfauen war nur äusserst selten voll ausverkauft.

    Und: Die Erfüllung aller Wünsche garantiert noch lange nicht einen glücklichen Theaterabend.

    Lösungen sind möglich, der Pfauensaal bleibt.


    Man kann überall Theater spielen – und man kann überall gutes Theater spielen. Das ist das Fantastische am Theater.

    Es ist unbestreitbar, dass die Bühne am Pfauen nicht die beinahe unbeschränkten künstlerischen Möglichkeiten bietet, wie die Schiffbauhalle oder andere moderne Theaterbauten aus der Nachkriegszeit.

    Allerdings ist die Frage, ob die Pfauen-Produktionen unter den Einschränkungen leiden. Die Beschränktheit ist immer wieder auch als Chance bewertet worden. Sie zwingt, sich mit dem sperrigen Saal auseinanderzusetzen, Ideen zu verwerfen, die künstlerische Arbeit im Probenprozess zu konzentrieren und zu fokussieren, damit sie in der dem Pfauen eigenen Eindringlichkeit und Unmittelbarkeit aufs Publikum wirken kann.

    Betrachtet man die europäischen Theaterräume, in denen in den letzten Jahren aufsehenerregendes Theater gezeigt worden ist, so haben die traditionsreichen, aus heutiger Sicht unterbemittelten, gar ärmlichen und eingeschränkten Häuser noch nie gefehlt:

    Darunter zu zählen sind beispielsweise

    • Das Akademietheater Wien (mit einer kaum nennenswerten Bühnentiefe)
    • Die Kammerspiele München
    • Brechts Theater am Schiffbauerdamm in Berlin
    • Das Renaissancetheater Berlin
    • Das Almeida Theatre in London («The Almeida», übrigens ein interessantes Beispiel für einen erneuernden Umbau)
    • Die «Cartoucherie» des Théâtre du Soleil von Ariane Mnouchkine in Vincennes bei Paris
    • Le Palais Royal von Madeleine Renaud und Jean-Louis Barrault in Paris
    • Das Théâtre des Bouffes du Nord in Paris (auferweckt von Peter Brook)
    • Das Hebbeltheater, Schlossparktheater, die alte Schaubühne am Halleschen Ufer in Berlin (wo immerhin Peter Steins «Peer Gynt» u.v.a. Premiere hatten)
    • La Mama Theatre in New York
    • Das Aldwych Theatre in London (wo die Shakespeare Company z.B. mit Peter Brooks Sommernachtstraum sensationelles Theater über viele Jahre gespielt hat. Das Aldwych ist übrigens wie der Pfauen in eine Häuserzeile mit Hotels eingebaut – es steht unter Denkmalsschutz und darf nicht verändert werden!)
    Lösungen sind möglich, der Pfauensaal bleibt.

    Um- und Abbauten verlangen Geduld, Geschick, Sorgfalt und umsichtige Planung.

    Eine grössere Bühne, zwei Seitenbühnen und eine Hinterbühne könnten tatsächlich Abhilfe verschaffen. Allerdings ist das Schauspielhaus am Pfauen bei weitem nicht das einzige Theater mit vergleichbarem Renommee im deutschsprachigen Raum, das mit diesen und anderen Einschränkungen umzugehen hat. 

    Alles ist eine Frage der Planung: Der Abfolge der Stückdimensionen im Spielplan, der Bühnenbildentwürfe, der Arbeitszuteilungen an die Werkstätten, der Arbeitspläne der Techniker im Bühnenbereich. Also eine Frage der umsichtigen Koordination und Logistik. Man kann im Pfauen aktuell bis zu vier Stücke gleichzeitig mit den entsprechenden Bühnenbildern lagern und im Repertoire halten.

    Die Probebühnen für das Pfauentheater im Werkzentrum im Schiffbau wurden vor zwanzig Jahren zur Entlastung der Bühnen- und Probensituation im Pfauen konzipiert. Sämtliche Endproben sollten bis kurz vor der Premiere auf einer der drei Probebühnen stattfinden – jede Einzelne verfügt über die Masse und Portalgrösse des Pfauens, damit dort Proben im optimalen Massstab 1:1 durchgeführt werden können. Eine Luxussituation, für die das Schauspielhaus in Theaterkreisen international beneidet wird!

    Der Verwaltungsratspräsident der Schauspielhaus AG, Markus Bachofen, sagt, im Pfauen würden sich 50 Leute gegenseitig auf den Füssen herumstehen. Das kann niemand nachvollziehen. Wenn man vom Verwaltungsratspräsidenten hört, ein Ziel des Umbaus seien auch viel straffere Abläufe und viel weniger Leerläufe, dann würden auch die finanziellen Folgen interessieren: Muss man befürchten, dass in der Folge Personal abgebaut wird? Oder ist im Gegenteil mit einer Aufblähung der Stellenprozente zu rechnen, mit finanziellen Folgekosten?

    Nach wie vor funktioniert das Theater in einem guten kreativen Austausch und alle einzelnen Abteilungen stehen miteinander im Dialog. Das Theater soll weiterhin eine gut funktionierende Produktions- und Präsentationsstätte bleiben. 

    Es gibt kaum Techniker, die nicht gerne im Pfauen arbeiten – manche sogar lieber als im Schiffbau; und selbst die aktuellen Intendanten sagen hinter vorgehaltener Hand, sie würden diesen Raum lieben – der anfänglichen Skepsis zum Trotz. Die Maximalwünsche der Technik müssen auf ein realistisches Mass reduziert werden. 

    Lösungen sind möglich, der Pfauensaal bleibt.



    News und Chronologie

    Das Pfauentheater ist sanierungsbedürftig. Abriss und Ersatzneubau? Oder Bestandessanierung dieses magischen Orts? Hier der Hergang der Geschichte.