Die Stadt will das Schauspielhaus mit wenigen gezielten Eingriffen sanieren und den Pfauensaal erhalten. Der Pfauensaal soll schöner werden und besser zur Geltung kommen. Die bis jetzt den Saal überstellenden Beleuchtungskörper sollen diskreter platziert, die drei historischen Theaterdecken erhalten bleiben. Die Bühne wird abgesenkt. Dabei werden Sichtachsen und Akustik verbessert, die Sitzreihen ersetzt und die Zahl der Sitzplätze leicht reduziert. Ein urbanes Fenster zur Stadt wird geschaffen: Das Foyer wird um die Fläche des Restaurants im Eckhaus sowie Flächen im ersten Obergeschoss erweitert. Ein Plus von 1470 m2. Die Tradition der Pfauenbühne als Fluchtort, Emigrantenbühne, Widerstandsort gegen den Faschismus und Schauplatz zahlreicher Uraufführungen von Bertolt Brecht bis Max Frisch und Friedrich Dürrenmatt soll Präsenz erhalten durch periodisch neu einspielbare Installationen von Kunst und Bau. Der Verein Pro Pfauen hat ein wichtiges Zwischenziel erreicht.
Zeitplan:
Bis September 2025: Das erstprämierte Projekt steht fest. 2028 findet die Volksabstimmung über den Projektkredit statt. Bei einem Volksnein wird der Pfauen im Bestand saniert. Bei einem Ja dauern die Instandsetzungsarbeiten mit kleineren Eingriffen von 2030 bis 2033. Der Verein Pro Pfauen wird die Planung kritisch begleiten.
Hier finden Sie alle unsere per Mail versendeten Newsletter von September 2021 bis heute.
Am 7. Dezember 2022 wollten die beiden Gemeinderäte Mischa Schiwow (AL) und Stefan Urech (SVP) vom Stadtrat den Zeitplan zur Gesamterneuerung des Schauspielhauses erfahren und stellten in ihrer Interpellation insgesamt 9 Fragen. Der Stadtrat sah in seiner Antwort vom 24.5.2023 folgende Etappen vor: 2024 soll ein Wettbewerbs- oder ein Planerwahlverfahren durchgeführt werden. Danach folgen die Ausarbeitung eines Bauprojekts bis Ende 2026, die Gemeindeabstimmung bis Anfang 2028 und schliesslich die Vorbereitung und Realisierung eines Provisoriums bis Ende 2029. Lesen Sie die Fragen der Interpellanten und die Antworten des Stadtrats hier.
Der Pfauensaal darf nicht abgebrochen werden. Er soll instandgesetzt werden. Das hat der Zürcher Gemeinderat an seiner Sitzung vom 9. März 2022 mit 75 zu 39 Stimmen beschlossen und dafür den Projektierungskredit in Höhe von 13,9 Mio. Franken gesprochen. Er favorisiert die «Renovation mit kleinen Eingriffen», eine der vier Varianten aus der Weisung des Stadtrates vom 28. Oktober 2020 (Seiten 13 und 19). Die Fläche des heutigen Restaurants an der Ecke Zeltweg / Rämistrasse soll zur Erweiterung des Foyers und Verbesserung der Schauspielhaus-Gastronomie genutzt werden. Dem stimmte der Gemeinderat mit 97:20 Stimmen zu. Der Stadtrat ist mit seinen Neubauplänen gescheitert. Wir stehen somit vor der erfreulichen Situation, dass eintritt, wofür wir uns eingesetzt haben: für den Pfauensaal als legendären Erinnerungsort und für den Schauplatz eines künftigen Repertoiretheaters, in dem Sprechtheater von höchster Qualität aufgeführt werden kann. Nun soll ein Planerwahlverfahren durchgeführt werden. Die Gesamtkosten der Instandsetzung müssen von den Stimmberechtigten der Stadt Zürich in einer Volksabstimmung bewilligt werden.
Hier geht's zum Audioprotokoll des Gemeinderats
Das Max Frisch-Archiv an der ETH-Bibliothek dokumentiert klein und fein Ausschnitte aus Max Frischs Beziehung zum Pfauentheater. Die Ausstellung ist bis 31. März 2022 zu besichtigen. Eintritt frei. Mehr dazu hier
Ein Exponat dieser Ausstellung zeigt das Neubauprojekt des Zürcher Schauspielhauses von Jörn Utzon, der mit der Oper von Sidney berühmt geworden ist. In der Wettbewerbsjury sass 1964 Max Frisch. Warum Utzons grandioser Wurf für Zürich am Städtebaukonzept der 1960er Jahre gescheitert ist und was Max Frisch grundlegend zum Bau von Theatersälen in seinem Exposé vom 30.1.1965 ausführte, lesten Sie hier: im Artikel der Zeitschrift P.S. und in der Langfassung mit Plänen hier.
Wir gratulieren und freuen uns sehr, dass einer der Erstunterzeichner unseres Aufrufs «Lasst dieses schöne Haus in Ruhe», Schauspieler Burghart Klaußner, am 1. Oktober 2021 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet wird. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier verleiht diesen Orden an sechs Frauen und acht Männer, die sich in herausragender Weise für die Kunst und das von den Corona-Einschränkungen besonders betroffene Kulturleben eingesetzt haben.
Burghart Klaußner hat am Schauspielhaus Zürich über viele Jahre mit den Regisseuren Dieter Giesing, Werner Düggelin und Peter Wood gearbeitet. Mehr Infos zur Verleihung finden Sier hier.
Der Heimatschutz und das überparteiliche Komitee Rettet den Pfauen, der Verein der Theater- und Kulturschaffenden Pro Pfauen und die Initiative aus der ETH Zürich Die Pfauenbühne erhalten! wollen den legendären Theatersaal renovieren und technisch sanieren. Die Allianz dieser Initiativen kündigte an der gemeinsamen Medienkonferenz vom 26.August 2021 ihren Widerstand gegen die Abrisspläne des Stadtrats an.
Hier geht's zu den Medienunterlagen
Pro Pfauen: Kurzbeschrieb des Vereins Pro Pfauen. Unterzeichnende bis 26.8.2021, Statements, eine Auswahl, Zum Potenzial des Theaters am Pfauen
Der Stadtrat wird gebeten zu prüfen, wie im Schauspielhaus an dessen Zeit vor und während des 2. Weltkriegs und die Jahre danach erinnert werden kann. Insbesondere soll dabei an die Geschichte der aufgenommenen Kunstschaffenden und ihrer Angehörigen, sowie deren Flucht in die Schweiz dem Publikum dargestellt werden. Postulat von Yasmin Bourgeois, Freisinnig FDP und Ronny Siev, Grünliberal GLP
Die Öffentlichkeit reagierte teils verhalten, teils konsterniert, verärgert und empört auf den Modernisierungsplan des Stadtrats. Seither wird auf allen Ebenen versucht, die Debatte inhaltlich zu führen. Gegen den Abbruch der Pfauenbühne formierte sich innert kürzester Zeit breiter Widerstand mit Online-Aktionen und Unterschriftensammlungen. Auch diese Webseite ist Teil dieses Widerstands – aus der kompetenten Sicht der Theater- und Kulturschaffenden.
Am 18. November 2020 lancierte der Stadtrat seine Weisung als Antwort auf die Motion des Gemeinderats. Er stellte vier Varianten und deren finanzielle Konsequenzen vor und votierte für die Ausarbeitung eines Projektierungskredits für den Abbruch und Neubau des Pfauentheaters.
Der Gemeinderat stellte sich dem Vorhaben des Stadtrats entgegen. Mittels einer dringlich erklärten Motion verlangte er am 23. Januar 2019, dass zusätzlich zur Abbruch- und Neubauweisung des Stadtrats drei Sanierungsvarianten auszuarbeiten seien: «Sanierung im Bestand», «Erweiterte Sanierung im Bestand» und «Sanierung mit Teilabbruch». Auszug aus dem Gemeinderatsprotoll
Mit der Entlassung des Pfauensaals aus dem kommunalen Schutzinventar am 6. Juli 2018 lancierte der Stadtrat von Zürich einen Überraschungscoup ohnegleichen: Anstelle einer Sanierung gab er der verblüfften Öffentlichkeit bekannt, dass der legendäre Pfauensaal abzubrechen und ein Ersatzneubau zu erstellen sei. Umfassende Sanierung, Medienmitteilung des Stadtrats
Der Rekurs des Zürcher Heimatschutzes ZVH gegen die Inventarentlassung
Am 6. Juli 2018 kurz vor der Sommerpause gab der Stadtrat von Zürich die Entlassung des Pfauensaals aus dem kommunalen Schutzinventar bekannt. Diese Inventarentlassung sollte die rechtliche Voraussetzung für den Abbruch des Pfauensaals schaffen. Der Zürcher Heimatschutz legte umgehend Rekurs ein. Fazit des gerichtlichen Augenscheins vor Ort, im Pfauensaal am 13. Dezember 2018: Das Baurekursgericht stellte fest, dass der Stadtrat die Schutzwürdigkeit des Theatersaals nur ungenügend abgeklärt hatte. Seither ist der Rekurs bis zum Abschluss des politischen Prozesses im Gemeinderat sistiert.
Die Initiative des Gemeinderats der Stadt Zürich
Eduard Guggenheim, AL (Alternative Liste) und Stefan Urech, SVP (Schweizerische Volkspartei) reichten im Zürcher Gemeinderat eine Motion ein, die am 7. November 2018 mit 116 zu 0 Stimmen für dringlich erklärt wurde. Die Motion stellte dem geplanten Abbruchprojekt die Sanierung unter weitgehender Erhaltung des Theatersaals gegenüber. Der (später abgeänderten) Motion stimmte der Gemeinderat am 23. Januar 2019 mit grosser Mehrheit zu.
Diese zwang den Stadtrat dazu, seinen Abbruch- und Modernisierungsplan wie folgt abzuändern und Lösungsvarianten aufzuzeigen:
Die Motion verlangte Angaben zur Bauzeit, zu betrieblichen Lösungen, Baukosten, Betriebskosten sowie den Einbezug von Flächen benachbarter Liegenschaften durch Fremdmieten bzw. Erwerb.
Der Stadtrat beharrte auf der radikalen Abbruch- und Neubauvariante 4, beantragte die Zustimmung des Gemeinderats und die Abschreibung der Motion. In Aussicht gestellt wird eine Volksabstimmung über den Theaterneubau. Damit würden jedoch nur noch die Begründungen für einen Ersatzneubau zum Zug kommen, nicht aber all jene Gründe, die für die Erhaltung und Renovation des Schauspielhauses am Pfauen sprechen.
Seit Beginn 2021 berät die zuständige Spezialkommission des Gemeinderats über die Varianten 1–4. Wann die Kommission ihren Beschluss zuhanden des gesamten Gemeinderats unterbreitet, ist noch unklar.
Welches ist der wahre «Lieu de Mémoire»
Das Pfauentheater ist einer der wenigen Orte des aktiven Widerstands in der Schweiz gegen das Naziregime ab den 1930er Jahre bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Pfauentheater steht für Widerstand, Freiheit und Menschlichkeit bis heute. Kann ein zerstörter Pfauensaal noch ein Erinnerungsort sein? Der Stadtrat begegnet dem Abbruch des Pfauensaals gemäss Variante 4 mit der ideellen Rekonstruktion eines «Lieu de Mémoire».
«Aus geschichtswissenschaftlicher Sicht sind Erinnerungsorte (und insbesondere das Phänomen des «Lieu de Mémoire») … nicht zwangsläufig oder nur bedingt an Standort und Bausubstanz gebunden. Die aktive Vermittlung des Erinnerungsorts wird als verbindliche Aufgabenstellung in den Architekturwettbewerb aufgenommen. Zudem soll sie künftig im Vertrag zwischen der Stadt und dem Schauspielhaus verankert werden.» Auszug aus der Weisung des Stadtrats vom 28. Oktober 2020.
Aus denkmalpflegerischer Sicht widersprechen derartige Gedankenkonstrukte den Leitsätzen zur Denkmalpflege in der Schweiz von 2007, die sich auf zahlreiche internationale Abkommen und Vereinbarungen stützen:
«Denkmäler sind bestimmt durch ihre überlieferte Materie; diese macht die Authentizität der Denkmäler aus. Die Authentizität des Denkmals, d.h. die Existenz des Denkmals in seiner möglichst vollständig überlieferten Materie mit all ihren Zeitspuren, ist Voraussetzung dafür, dass heutige aber auch spätere Generationen seine Vielschichtigkeit erkennen und interpretieren können. In solcher Erkenntnis und Interpretation liegt die Chance zu einem vertieften und stets neuen Denkmalverständnis.»
Warum der Pfauensaal abgerissen werden soll – Argumente der Befürworter und unsere Entgegnungen